Der Weg war das Ziel!

Eine Reise mit 11 Motorradgespannen

und 2 Solomotorrädern nach Kiev.

 

 

Den Löw Lois hatte ich schon ein paar Male angestupst, wegen der Reise nach Kiev. Es war Fasching, ich hatte mir gerade eine gebrauchtes Ural 650 – Gespann gekauft und war wegen Ersatzteilen bei ihm.

Diesmal hatte er angebissen. Ok, es war fix! Ran an die Buletten!

Unser erster Termin für Mai wurde wieder verworfen, da es bei einigen nicht ging. Termin Nummer zwei, war 23. Juli bis 4. August 2002. Muss noch eines vorwegschicken: Mein Name ist Udo Vogel und ich betreibe seit 13 Jahren ein Reiseunternehmen mit einem Hotelbus, der über 23 Schlafkabinen, 23 Sitzplätze, WC, Dusche, Bar und Küche verfügt.

Wir waren ein optimales Gespann, Lois hatte die Verbindungen nach Russland und erzählte mir von der „Russenbox“ , einer Mailingliste und ich war der Reiseprofi, erstens war ich 1992 schon einmal in Kiev und außerdem habe ich ganz Europa schon mit dem Motorrad bereist und kannte mich im „Ostblock“ gut aus.

Das Hauptmanko bei der Reise waren die Übernachtungsmöglichkeiten, die teuer und rar sind. Mit dem Hotelbus kein Problem.

Es folgten 5 lange Monate mit Visabeschaffung, Beantwortung von einigen hundert Mails, ein Dutzend Faxen und Telefonate in die Ukraine, Absagen von Reiseteilnehmern und immer wieder Besprechungen.

Wir zwei waren sicher mehr vor der Kiste, als bei unseren Frauen im Bett.

Möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei dem Lois für sein Engagement bedanken.

Am 22. Juli kam ich mittags mit dem Bus von Magny Cours aus Frankreich zurück. Meine Frau und der „Hotl“, so heißt mein Kumpel, standen schon mit Eimer und Putzlappen Spalier, um den Bus zu reinigen. Wir rödelten bis tief in die Nacht. Dann war der Bus wieder gesäubert, die Betten überzogen, 200 kg Lebensmittel und 500 Dosen Gerstensaft an Bord, die Papiere und der ganze Kleinkram lag am richtigen Ort, die Wassertanks waren voll, Gasflaschen, Stromaggregat, Werkzeug,  Ersatzteile, Medikamente und die Klamotten waren verstaut.

Wie Mehlsäcke fielen wir ins Bett!

 

 

23. Juli, vier Uhr morgens, der ekelhafte Wecker tat seinen Dienst. Machte mir aber nichts aus, weil ich vor lauter Aufregung sowieso nicht richtig schlafen konnte. Bin sicher nicht der Einzige, dachte ich bei mir, denn alle freuten sich auf den heutigen Tag. Vor ein paar Tagen bekam ich noch eine Mail vom Franz aus der Steiermark, in der stand: „ Meine Dnepr und ich sind schon ganz spitz auf Kiev!“ Schnell einen Kaffee hinuntergeschüttet, einen innigen Kuss und das obligatorische „ Pass auf ,auf Dich!“ und die Silhouette meiner Frau wurde im Rückspiegel des Busses immer kleiner. Am Co – Pilotensessel hockte Hotl, mein Kumpel, der auf dieser Reise als Kartenleser, Koch, Spüldienst und Kellner fungieren sollte,  ein paar Sitzreihen dahinter machte es sich der Höfler Georg bequem, ein Rentner, der einfach mal die Ukraine sehen wollte, aber mit Motorrädern gar nichts am Hut hatte. Punkt 6 Uhr polterten wir in Erring, am ersten Treffpunkt ein. Einige Gespanne standen schon vor der Pension, bepackt wie Maulesel. Das Gespann von Günter und Don Harry war auch dabei. Die beiden sind aus Spanien angereist und hatten schon 2.500 km „Probefahrt“ hinter sich.

Im Gasthaus ein großes Hallo und ich hatte mich wieder einmal dabei erwischt, dass die Leute doch anders aussehen, als ich sie mir vorstelle. Schnell noch eine Tasse vom verschlafenen Wirt serviert und dann fuhren wir zum Lois seiner Firma, wo auch ein Teil der Abenteurer auf uns wartete. Das zweite, aber nicht das letzte Hallo an diesem Tag, denn unser Ziel war heute Budapest. Beim Lois hängten wir einen Tandem – Anhänger an den Bus, der uns als Transportliege für kranke und halbtote Urals und Dnepr und Reparaturplattform dienen sollte. Das blöde Ding sollte uns noch zum Verhängnis werden, aber dazu später. Als ständige Fahrgäste nahm ich hier den Anetzberger Georg mit Frau auf, der Georg ist schon über 70 Jahre und des Weiteren den Sombeck Wolfgang mit Sohn, die der Russenfluch erwischt hatte. Ihr Uralgespann hatte einige Kilometer nach Oberhausen den Geist aufgeben und sie sind mit dem Auto heruntergedüst. Außerdem gesellte sich hier noch mein spezieller Freund aus Innsbruck zu uns, der Baldi mit seinem Zwitter ( Dnepr mit BMW – Motor ). Spezieller Freund aus dem Grund, weil er bei den vorausgegangenen Mail – Kontakten immer ein wenig stichelte und mich schon einige vor ihm gewarnt hatten. War alles Blödsinn, der Baldi entpuppte sich auf der Reise als echter Kamerad und russisch sprach er auch.

Weiterhin fanden sich beim Lois der Guzzi – Fränky mit einer BMW GS ein, an der ein spartanisches Boot  angeschraubt war, das mehr als Lastesel diente, beladen mit Zarges-Kisten und dem Reserverad.

Sein Kumpel Martin war mit einer Yamaha XT 600 angerückt, ein optimales Gerät für diese Reise. Beide standen unauffällig im Hintergrund und „schwäbelten.“ Mit von der Partie war auch die Ida, die Frau vom Lois, eine angenehme Person und das glatte Gegenteil vom Lois: ruhig, gelassen und fast unauffällig. 15 Kilometer und dann waren wir in Österreich. Ich schob die Bande mit dem Bus auf der Autobahn vor mir her mit der flotten Geschwindigkeit von 80 km/h. Die Russen schienen das anstandslos zu vertragen.

Nach 100 Kilometer trennten wir uns, die Motorräder fuhren das romantische Donautal durch die Wachau und der Bus flog über die Autobahn. Nächster Treffpunkt war Nickesldorf, wo der Rest der Gruppe um 13.30 wartete. Es war ein heißer Tag und die Steirer, Harry und Maria, Hörby mit Frau Annemarie, Mack Franz ,Fiegel Gerhard, unser Bär( aufgrund seiner übermäßigen Körperbehaarung ), Müller Martin aus der Schweiz und unser „Führer“ aus Braunau, der Holzleitner Jürgen, auch mit einem Reisfressermoped, einer Honda warteten schon ganz ungeduldig. Hoffentlich hab ich jetzt niemand vergessen! Wenn, taucht er in diesem Bericht sicher noch auf. EINER FEHLT! Der Mrozek Martin! Kein Anruf, keine SMS, nichts, einfach keine Nachricht! Geht schon gut an! Einige Zeit des Wartens und Beschnuppern verging und dann plötzlich ein Lebenszeichen: Der Martin stand in Wien, denn die Batterie war im Eimer. War gerade daran eine zu besorgen. Gut, dauert sicher noch 2-3 Stunden. Wir beschlossen aufzubrechen. Als Hörby mit seiner Militär – Dnepr an dem Bus vorbeizog, mit seiner Frau im Boot, war ich mir nicht ganz sicher, ob die Karre durchhalten würde, denn sie war total überladen. Nach der Reise hatte ich erfahren, daß das Gespann über 700 kg wog! Der „Holzleitner“ blieb auf der Tankstelle und wartete auf unseren Nachzügler, in der Unwissenheit, dass der Mrozek noch Stunden brauchen wird, bis er eintrudelt. Wir machten uns auf die Socken und waren nach einer halben Stunde Grenzaufenthalt in Hegyeshalom nach Ungarn eingereist. Noch 50 Kilometer Autobahn, auf der schon die ersten Rennen ausgetragen wurden. Bei Györ bogen wir Richtung B 10 ab, einer Landstraße, die sich an der Donau bis Budapest entlang schlängelt. Wir fuhren langsam, denn der Verkehr war sehr dicht und bei Estergon konnte man auf der anderen Seite der Donau die niedere Tatra ausmachen. Ab und zu verrenkten sich meine Mannen die Halswirbel, weil eine Dirne am Straßenrand in leichter Bekleidung auf Kundschaft wartete und einladend winkte. Lieber nicht, weil wenn die sich aus ihrem verschwitzen Motorradklamotten geschält hätten, wären sogar die Fliegen tot umgefallen.

Nach 2 Stunden Fahrzeit starteten wir eine Invasion auf einen Campingplatz, direkt an der Donau. Mit der Invasion sind 11 Gespanne 2 Solo – Motorräder und ein himmellanger Bus mit Anhänger gemeint. Ganz zu schweigen von der verwegenen Bande, die diese Fahrzeuge bewegte. Das Mädchen von der Rezeption, mit Tiefausgeschnittenem T-Shirt und ihrer Naivität war ganz aus dem Häuschen. Lauter brave Gäste aus Deutschland und Holland, und dann wir! Wir können nur außerhalb des Platzes unsere Fahrzeuge parken und innerhalb schlafen. Wollte aber keiner von uns.. Die verwechselte uns sicherlich mit irgendwelchen Rockern und so zogen wir wieder davon. Wir besichtigten noch zwei Plätze, bei dem einen war die Einfahrt für den Bus zu nieder und der andere war zu klein, um darin mit dem Bus herum zu manövrieren. Also wieder 15 Kilometer zurück und auf einer Anhöhe in einem Waldstück lag eine gemütliche Csarda mit einem riesigen Parkplatz, ein idealer Platz. Bei ungarischen Schmankerln und ein paar Gläsern Wein ließen wir den Abend ausklingen.

Halt, da war noch was! Der erste Schrauber: Harry hatte Probleme mit der Lichtmaschine oder dem Regler seines Gespannes. Und zu guter Letzt: Unser Odysseus mit der defekten Batterie und der „ Führer“ tauchten nach einer langen Irrfahrt durch Ungarn endlich auf. So. Nun waren wir komplett! Wir konnten beruhigt schlafen, da einige sich neben den Motorrädern in ihren Zelten verkrochen, anscheinend trauten sie meinem Hotelbus nicht.

 

 

24.Juli, die anderen lagen noch in der Falle und wir zwei, Hotl und ich klapperten mit Kaffeegeschirr, Marmeladengläser und Besteck. Um 8 Uhr zogen wir los. Sonnenschein und alle sind gut drauf! Sogar noch, als die Rushhour von Budapest uns heimsuchte. Hinter dem Heldenplatz parkten wir die Motorräder und der größte Teil der Gruppe

Ging mit mir und dem Bus auf Sightseeing – Tour. Der kleine Teil, der zurückblieb wartete seine Maschinen, oder war es der Biergarten gegenüber, der sie magnetisch anzog? Ich glaub das Zweite.

Mittags, bei sengender Hitze, brachen wir auf Richtung Osten. Über Gödöllö, durch dir Puszta bei Hortobagy und Debrecen bis kurz vor die ukrainische Grenze. Drei Kilometer durch die Stadt und schon läutete das Katastrophentelefon. Das Sorgenkind war Don Harry einer unserer Spanier. Die Ural machte keinen Mucks. Der Lois mit seinem Diesel – Power – Moped hängte der Ural den Strick um den Hals und nahm sie bis zum Bus in Schlepptau. Defekt und stranguliert hievten wir die schwere Russin auf den Hänger. Mitten in der Puszta, in einem schattigen Biergarten stärkten wir uns und Don Harry brachte die Russin wieder flott. Sind halt manchmal stur, die Olgas und irgendwann wollen sie dann doch wieder! Langsam begriff ich, dass die Dinger kein Stück Eisen waren, sondern Leben in sich hatten. Wehe, du vernachlässigst sie ! Wie die Weiber halt so sind! Es ging flott voran und ich musste den MAN ganz schön jagen, dass ich hinterherkam. In Debrecen, aller guten Dinge sind zwei! Der zweite Spanier: Vergaserschieber hängt. Bin den Jungs aber gar nicht böse, denn sie hatten schon 2000 km mehr hinter sich als wir. Wieder Muskeln anspannen und rauf auf den Hänger, aber nur noch 80 Kilometer, denn dann waren wir an unserem Tagesziel. Von da aus nur noch 15 Kilometer zur Grenze, ins Reich der Dnepr. Der kleine Campingplatz hatte viel Platz, große Bäume spendeten Schatten und eine Besonderheit waren die Schwimmbecken mit Thermalwasser. Auch aus der Dusche sprudelte das heilende, warme Wasser. Für so einen alten Kraftfahrerrücken, wie meinen, eine Wohltat. Wir stellten das Zelt neben den Bus und bereiteten das Abendmahl. Anschließend zischten schon die ersten kühlen Bier. Meine Menschenkenntnis hatte mich nicht getäuscht, genau die, denen ich beim ersten Kontakt in die Augen schaute und darin den Lausbuben blitzen sah, saßen jetzt in einer Runde. Der Älteste war der Anführer, sie nannten in Hörby. War mir gleich sympathisch. Also Saufgelage bis in die frühen Morgenstunden unter lautem Gelächter und Singen unanständiger Lieder. Das Ganze hatte aber ein Nachspiel. Die Damen waren in ihrer Nachtruhe gestört und Hörby musste in seinem Beiwagen nächtigen und bekam am anderen Morgen noch zusätzlich einen Anpfiff von einer Dame unserer Gruppe. Schuld war eigentlich ich, weil ich das Zelt direkt neben den Bus stellte.

 

25.Juli Wir wurden mit frischen Semmeln zum Frühstück verwöhnt, die uns die Chefin vom Campingplatz besorgte.

Waren sehr nette, hilfsbereite Leute !

Abspülen, Zelt abbauen und Tische und Bänke in den Bauch des Hotelbusses verstauen und schon ging`s los Richtung Grenze. Ich hatte sie alle gewarnt, dass es Wartezeiten an der Grenze geben würde, wir unser Gepäck eventuell auspacken müssten und dass sie vor allem zurückhaltend sein sollten, mit dem Mundwerk meinte ich.

Der Ungar bei der Ausreise war ein Klacks. Sie erwarteten hohen Besuch aus Budapest, denn es hatte sich eine Kapelle und Photographen eingefunden. Eine Stunde, und keine einzige Russin war mehr auf dem Zollhof. So, jetzt über eine kleine Eisenbrücke rüber zum Ukrainer. Der Neue Zollhof war eine einzige Baustelle und die Soldaten waren sehr unfreundlich. Wir wurden geteilt: Motorräder rechts und der Bus links. Der Schäfer wurde von seinen Schäflein getrennt. Passte mir gar nicht! Durfte auch während der Abfertigung nicht runter zu meiner Gruppe gehen. Diese Kommunisten! Nach 2 Stunden waren die Motorräder aus dem Zollhof verschwunden und ich stand immer noch da mit meinen 6 Reisegästen im Bus. Niemand machte irgendwelche Anstalten uns abzufertigen.

Eine Stunde später musste ich zum Spediteur. Es stellte sich heraus, dass seit 2 Jahren ein Gesetz besteht, dass das Mitführen von Anhängern hinter Bussen in der Ukraine untersagt. Sie hatten schon beim Verkehrsministerium in Kiev um eine Ausnahmegenehmigung per Fax angesucht, die aber hatten abgelehnt. Schöne Bescherung! Der Anhänger war lebenswichtig! Sie gaben mir den Rat den Anhänger nach Ungarn zurückzubringen, das ging aber nicht, weil das ukrainische

Visa vom Zollbeamten schon abgestempelt war. Meinen Vorschlag, den Hänger auf dem Zollhof zu parken, verwarfen die sturen Beamten. Nix Possible! Nach 7 Stunden zäher Verhandlung und unter Einschaltung des obersten Zollchefs erhielt ich ein Begleitpapier ohne Anhänger und ein illegales mit Anhänger und konnte dann passieren. Hiermit nochmals vielen Dank an meine Gäste im Bus und die Motorradfahrer, die hinter der Grenze warteten, für ihre Geduld und Verständnis. Ein Kilometer hinter der Grenze war eine Tankstelle, wo die Biker sehnsüchtig auf uns warteten. Wir brausten nach einem kurzen Aufenthalt weiter Richtung Kaparten, die man schon in der Ferne ausmachen konnte. Jedem war jetzt bewusst, das Abenteuer beginnt. Wir zogen durch kleine Dörfer, die den Eindruck erweckten, die Zeit sei um 50 Jahre zurückgedreht. Ziehbrunnen, keine Autos, sondern nur Pferdefuhrwerke und die Leute waren erbärmlich bekleidet. Alle saßen sie vor den Häusern am Straßenrand und blickten uns nach, als wären wir vom Mond. Guzzi – Fränki tat gleich mal was für die ukrainisch – deutsche Freundschaft und hob in den Ortschaften jedes Mal das Boot einen Meter vom Boden.

Nach einer halben Stunde erreichten wir die Hauptroute und auch die ersten Raubritter mit weißem Lada und blauem Licht am Dach. Kurz noch voll getankt zu 30 Cent pro Liter und dann ging es in die Berge. Links und rechts der Straße wunderschöne, intakte Natur mit Blockhäusern aus Holz und Nadelwäldern so weit das Auge reicht. Aber die Straße, nein das war keine Straße mehr, sondern, wie Maria so schön sagte, ein asphaltierter Krautacker. Schlaglöcher, Ölspuren, Spurrillen bis zu 20 cm Tiefe und Nebelmaschinen. Das sind die russischen LKW, die sich im Schneckentempo den Berg hinaufquälten und auf Grund ihrer Russentwicklung ein Überholen durch verwehrte Sicht undenkbar machten. Es begann auch noch zu regnen. Jetzt bloß runter vom Gas, sonst fliegst du bei dieser Schmierseife noch von der Strasse. Auf einer Anhöhe lagen links zwei kleine Häuser, aus deren Kaminen Rauch qualmte. Im Juli! Genug für heute! Es war ein Campingplatz, mit Busch –Klo und wer duschen wollte, es regnete sowieso. Auf dem Platz lagen alte Batterien,  Öldosen und jede Menge Hundekot herum, hatte aber den Vorteil, dass er zur Straße hin eingezäunt war. Wir nahmen im Zelt eine warme Suppe ein und vertrieben uns den Abend mit dem Leeren von Bierdosen. Es entwickelte sich ein lustiger Abend, der die Krönung darin fand, dass wir den anderen unserer Gruppe, die in der Kneipe neben dem Platz waren, einen Besuch abstatteten. Das war unser Verhängnis!

 

 

Es wurde ein Wodka – Vernichtungsabend, wo die Kellnerin auf dem Tresen tanzte und zwei von uns hinter der Theke Schankkellner spielten( wer, sag ich nicht! ) und Wodka ausschenkten . Kostet heute nichts, sagten sie immer wieder. Die Chefin , ein Mädchen mit 25 Jahren stand in einer Ecke und sah ganz verschreckt unserem wilden Treiben zu, ohne einzuschreiten. In jedem Winkel wurde die ukrainisch – deutsche Freundschaft praktiziert. Es gab keine Sprachbarrieren und man lag sich freundschaftlich in den Armen. Wir schafften es aber, vor dem Morgengrauen in die Kabinen des Busses zu krabbeln, bis auf einen, den Georg, der brauchte auf Grund seines Alkoholpegels Unterstützung. Zu dritt haben sie in die Koje gehievt und zugedeckt. 3 Minuten später fiel ihm ein, er müsste noch einmal austreten und zwar dringend! Das tapfere Hilfskommando zerrte ihn an den Füßen wieder aus der Kabine und begleitete ihn ins Freie. Beschäftigungstherapie nennt man so etwas!

 

 

26. Juli:  Beim Frühstückstisch wurde ausgiebig noch einmal das Erlebte der letzten Nacht erörtert, vor allem die Einlage vom Georg. Trotz bewölkten Himmels und schmieriger Straße, mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht setzten wir uns in Bewegung. Hotl wurde mal schlecht, aber sicher nicht vom Busfahren, so dass ich anhalten musste und das mitten in einem Dorf. Ein besorgter alter Mann mit seinem Fahrrad kam hinzu und betrachtete meinen Leid geplagten Copiloten von der Seite. Ich gab ihm zu verstehen , dass er nicht krank ist, sondern der Wodka schuld sei und der Mann brach in schallendes Gelächter aus. Ein paar Kilometer weiter noch einmal Zwangsaufenthalt: Der Sgerm Harry verlor Luft am Vorderrad. Dort wo die Speiche in die Felge geht, konnte man Luftblasen ausmachen. Es wurde der Luftaustritt pro Stunde berechnet und entschloss sich zum Aufpumpen.

Harry kramte ein Fußluftpumpe heraus und pumpte wie ein Wilder, sicher schneller als ein Kompressor und ich war davon überzeugt, an der Kolbenstange hätte man sich eine Zigarette anzünden können. Hat eine gute Kondition, der Bursche. In Stryj zweigten wir auf Grund der lästigen Polizeikontrollen von der Hauptroute östlich Richtung Ternopil ab. Es stellte sich aber heraus, dass die Banditen auch auf den Nebenstrassen lauerten. In der Stadt, vor der Stadt, zwischen den Städten, sie waren überall! Einmal mussten wir blechen, weil wir angeblich zu schnell waren, ein anderes Mal weil wir in Kolonne fuhren, sie fanden einfach immer einen Grund. Ich schickte die Motorräder nun voraus, denn den Anhänger, den ich verbotener Weise mitführte, entwickelte sich zum „Oberpolizeiproblem“. So waren die Polizisten mit den Motorrädern beschäftigt und ich fuhr immer scheinheilig vorbei, als wenn ich nicht dazugehören würde! Das funktionierte aber nicht immer, denn an diesem Tag, als wir eine kleine Stadt durchquerten, sprang der Gesetzeshüter auf die Strasse und zwang mich zum Anhalten. „Passport, Papier, Deklaration“ und was der noch alles wollte, mit einem Blick und einem schroffen Ton, als währe ich ein Schwerverbrecher. Den größten Fehler, den man in solch einer Situation machen kann, ist, sich einschüchtern zulassen. Ich grüßte ihn mit dem militärischen Gruß eines Soldaten, da wir ja auch nicht ohne sind und fragte ihn im gröbsten bayerischen Dialekt, so dass er mich sicher nicht verstehen konnte, was er möchte. So etwas macht gleich mal Eindruck! Er deutete auf das Ende des Busses, wo sich das Oberpolizeiproblem an der Anhängerkupplung befand. Das Ukrainische Wort für Anhänger, das er unentwegt faselte, kannte ich mittlerweile, stellte mich aber trotzdem dumm. Er zerrte mich zum Hänger und sprach: Ukrain nix possible! Ich zuckte nur mit den Schultern. Halb verzweifelt ging er zum Streifenwagen und holte die ukrainische Verkehrsordnung, auf deren Titelseite einige Verkehrzeichen abgebildet waren. Als er mir diese vor die Nase hielt, nickte ich und fragte ihn, ob er Englisch spreche, was er verneinte. „Ich nix ukrain!“ konterte ich und hatte gewonnen, weil ihm der erste Schmunzler auskam. Na so kam er jedenfalls nicht weiter, was mir Freude bereitete. Er gab mir durch Gestik zu verstehen, dass ich den Hänger abhängen solle. „ Mafia zappzarapp“, entgegnete ich ihm, was so viel heißt, dann klaut ihn die Mafia! Das sah er ein. Er gab auf, drückte mir meine Papiere in die Hand und wünschte mir eine gute Fahrt, wir grüßten uns militärisch und ich konnte meine Fahrt fortsetzen. Ein paar Häuserecken weiter ein Markt. Einkaufen fürs Abendessen. Alles , bloß kein Fleisch und keine Kartoffeln, aber einen zusätzlichen Kochtopf für ein paar Kröten hatten wir ergattert. Also weiter! Beim nächsten Tankstopp beauftragte ich Martin, den Schwaben mit seiner Enduro, einen Metzger in der nächsten Stadt ausfindig zu machen und für die ganze Bande 30 Koteletts zu besorgen, da ich mit meinem 18 Meter langen Gefährt Manövrierschwierigkeiten habe. Brachte er dann auch. Ein Stück Fleisch hatte den Durchmesser von ca. 7 cm und war ein paar Millimeter dick. Fleisch scheint hier Mangelware zu sein.

Zum Glück war unser Nachtlager ein Fernfahrerlokal mit Dusche zwischen Ternopil und Ostropol mitten in der Pampa.

Der Platz war wieder grober Schotter, mit Motorenöl getränkt, aber wir standen wenigstens auf festem Untergrund und die Kneipe war gleich daneben. Es gab sogar eine warme Dusche. Als wir im Lokal unser Naturschnitzel, ein kleines Stück größer als

Lokal befand und der Günter kam total eingeseift ins Lokal und rief zu der Wirtin nach Wasser. „ Water finish“ erklärte sie ihm. Am Land haben sie keine Wasserleitungen unser Fleisch vom Metzger, verdrückten, ging die Türe vom Duschraum auf, der sich gleich hinter dem und der Tank war leer. Mit seinem eingeseiftem Bart schaute er aus wie der Weihnachtsmann. Brüllendes Gelächter! Andere Länder andere Sitten!

 

27.Juli:  Wir waren kurz vorm Ziel. Heute nahmen wir unsere letzte Etappe nach Kiev in Angriff: Zuerst durch ein paar verträumte Dörfer, wo die Alten mit dem Hirten der Kühe beschäftigt waren und Photodate vor einem russischen Panzer, danach Aufladen von Müllers Batterie mit meinen Stromaggregat, da seine Lichtmaschine eingegangen war. Stopp ! Weil wir gerade beim dem Müller, unserem Schweizer sind. Als ich den seine Dnepr das erste Mal sah, zweifelte ich daran, dass er mit diesem Gerät bis Budapest kommen würde. Rostig, ölig, voll Dreck und Speck, aber ich hatte mich getäuscht. Die Kiste lief wie ein Uhrwerk und war schnell. Er selbst, mit Halbschalenhelm, der dreimal so alt wie sein Gefährt war,  

einem alten Kradmantel, den ein grüner Expander am Flattern hinderte, fuhr der ehemalige Motorrad- rennfahrer den meisten auf und davon. Wir hatten jetzt auch einen richtigen Rowdy in unserer Gruppe. Lois hatte den Schalldämpfer seines Diesels verloren und der Motor plärrte, dass sich sämtliches Kleinvieh vor ihm im Straßengraben versteckte. Auch unser Wiener, der Gerhard, bekam Probleme, der Benzinhahn war undicht und auf die Straße floss mehr Benzin als in den Vergaser. Auf der Autobahn luden wir dann seine Natascha auf den Hänger. Dabei blieb hinter uns eine ukrainischer Fernfahrer stehen und sicherte mit seinem LKW die Standspur ab. Außerdem brachte er mir Apfelsaft und Bier. Mit dieser Geste hatte er mich an meiner weichen Stelle erwischt. Ich war ziemlich gerührt. Dem Burschen war sicher bewusst, was mir da für eine Reise machen. Noch 60 Kilometer bis zum Ziel! Die Zweiräder und Dreiräder werden auf der vierspurigen Holperpiste immer schneller. Keiner kann es mehr erwarten. Halbzeit! Schlechte Strassen, Hitze, Nässe und russischer Stahl unterm Hintern, 1860 Kilometer in 4 Tage! Wir können alle mächtig stolz auf uns sein. Doch kurz vor Kiev noch eine klitzekleine Polizeikontrolle. Lois meisterte das souverän. Er hielt dem Polizisten eine Kopie von einer Moskauer Motorradzeitung unter die Nase, in der die Leute über unsere Reisevorhaben berichteten. Außerdem sah man den Lois mit seinem Hatzdiesel darauf abgebildet und Lois gab sich als Präsident unserer Reisedelegation aus. Das hatte ihn anscheinend beeindruckt! Ich musste mit dem Beamten unter Einsatz meines Lebens über die vierspurige Autobahn auf die andere Seite zum Revier. Schmuddeliges, spartanisches Büro! Es wurde telefoniert und telefoniert. Immer wieder hörte ich das Wort „ Escort“ heraus. Die werden doch nicht....? Ich musste mich vom Beamten abwenden, denn mir kam das Grinsen aus. Er forderte für diese wichtige Delegation aus Deutschland eine Eskorte an. Ihr könnt es mir glauben, oder nicht, wir wurden mit einer Polizeieskorte in die Stadt gefahren. Sie hatten ihr bestes Auto aus der Garage geholt, einen nagelneuen Toyota Corolla.

Es war ein Bild für Götter! 11 Gespanne, 2 Solomotorräder und ich mit dem Bus samt Hänger wurden wie hoher politischer Besuch in die Millionenmetropole Kiev begleitet. War leider nur eine kurze Vorstellung, nach 3 Kilometern waren wir am Campingplatz. Nun machten wir wieder einmal Bekanntschaft mit der Mentalität der Ex – Kommunisten. Keiner wusste Bescheid, dass wir kommen. E- Mails und Faxe, die ich dem Chef des Campingplatzes schickte, waren umsonst! Nachdem ich mich an der Rezeption nach unserem Dolmetscher und Stadtführer erkundigte, wann wir am nächsten Tag die Stadtführung in Kiev starten könnten, erwiderte mir die Dame, dass er für 3 Tage nach Odessa gefahren sei! Die brauchen sich sicher nicht wundern, wenn ihre Einnahmequelle Tourismus nicht funktioniert. Jeder von denen hält die Hand auf und jammert, dass man sie beim Aufbau unterstützen soll. Na ja, Platz war genug und wir nisteten uns ganz oben am Berg in einem Waldstück ein.

Jeder war erleichtert, daß wir unser Ziel erreicht haben und die Fahrzeuge durchhielten, aber den Gesichtern sah man die Strapazen und die Müdigkeit an. Ein paar Tage Pause waren jetzt dringend nötig. Gemütliche Runde im Zelt und etwas Anständiges zum Essen waren jetzt angesagt. Biker vom Motorradclub „Silver Bullet“ hatten uns auch schon ausgemacht,

 

 

und uns auf ihr Treffen eingeladen. Einige starteten auch ihre Sidecars und zogen mit ihnen durch die Nacht. Das Resultat seht ihr auf dem Photo rechts! Ein richtiger Führer verlässt seinen Gefechtsstand nicht.

 

28.Juli: Heute war Sonntag und da die Frühmesse aufgrund fehlenden Pfarrers ausfiel, tröstete ich die abgekämpfte Gruppe mit ukrainischen Torten zum Frühstück. Waren gar nicht mal so schlecht. Da Motorradfahrer nicht saufen, oder nur manchmal und das am Abend, wartete die ganze Crew ihre Maschinen. Es wurde geschraubt, geölt, geflucht und fachgesimpelt, was das Zeug hielt. Der „ Holzi „lag immer noch im Boot, denn er fuhr ja eine Japanerin, hätte aber auch bestimmt nichts ausgerichtet in seinem Zustand. Nachmittags war eine Stadtbesichtigung angesagt. Wir rumpelten mit dem Bus die schlechten Strassen zum Zentrum hinunter, alle waren gestriegelt und geschniegelt, da wir zwei fesche Damen als Reiseleiterinnen im Bus zu Gast hatten. Wir besichtigten zwei Klöster aus der Zarenzeit, das Militärmuseum und das Stadtzentrum.

 

 

Kiev ist eine riesige Stadt mit über 3 Millionen Einwohnern und wenn wir an die Hinfahrt zurückdachten, konnten wir feststellen, daß es zwei Gesichter mit krassen Gegensätzen in der Ukraine gibt. Das Arme und das Reiche. Hier stehen im alten Teil der Stadt die Prunkbauten der Zarendynastie, in den Geschäften gibt es alles zu kaufen, ja, man könnte fast meinen, man befände sich am Kuhdamm in Berlin, die Lokale sind mit Palmen dekoriert und es macht sich überall Luxus breit. Nach den Strapazen tut es sicher gut, ein bisschen in dies einzutauchen, aber auf dem Land haben sie kein Auto, laufen in Fetzen rum und haben nicht mal fließendes Wasser! Fehlende Steuergesetze und die Korruption lassen die Gegensätze immer größer werden.

Die Stadt ist durch den riesigen Fluss Dnepr getrennt und auf der anderen Seite machen sich gewaltige Gebiete mit Plattenbau-Hochhäusern breit. Wir ließen es uns nicht nehmen, einmal die „ Dnepr“ zu überqueren, ein Muss für einen Fahrer eines ukrainischen Gespannes. Abends fanden wir uns wieder in unserem Lager ein und Baldi gab auf seiner Zitter einem zum Besten, die er die ganze Fahrt in seinem Beiwagen versteckt hatte.

 

 

29. Juli: Auf den heutigen Tag warteten viele sehnsüchtig. Es sollte ins Dnepr – Werk gehen. Unser Dolmetscher war zum versprochenem Zeitpunkt nicht erschienen, er war noch zu Hause. Ich möchte jetzt nicht auf meinen Wutausbruch und die Drohungen eingehen, die ich aussprach. Nach dem Frühstück fuhren wir auf eigene Faust, geführt durch ein Taxi zum Motorradwerk und siehe da unser Dolmetscher war auch da! Wir besichtigten die verschiedenen Dnepr im Ausstellungsraum und kauften ihr Teilelager leer. Die Preise verraten wir lieber nicht, sonst gibt es in Kiev eine Invasion. Wir hatten per Fax unsere Besichtigung beim Direktor avisiert und jetzt kam der Hammer! Die Exportchefin tat uns kund, daß wir heute nicht besichtigen können, weil sie nur von Mittwoch bis Freitag produzieren. Ich fiel der Lügnerin sofort ins Wort und erklärte ihr, daß uns bekannt ist, daß seit 18 Monaten nicht mehr produziert wird! Ihr verdutztes Gesicht hättet ihr sehen sollen! Wir wollten nur einmal reinschauen, in die Geburtstätten der ukrainischen Ladys, nur kurz in die Hallen blicken. Nein, das verwehrten sie uns. Entweder haben sie sich geschämt, oder es war russische Verschleierungstaktik.

Sie erzählten uns,  in der Halle werde dies produziert, in der anderen das, vor den Hallen standen Unmengen von schrottreifen, ausgeschlachteten Drehbänken, Staplern und Fräsen und alles war mit Gras überwuchert.

Die Enttäuschung meiner Gruppe konnte man ihnen im Gesicht ablesen. Bei denen in der Ukraine läuft noch viel verkehrt. Der Lois, der Baldi, der Holzi und ich wurden zum Direktor eingeladen. Wichtige Delegation! Bei starken, russischen Kaffee wurden die Probleme erörtert und als sie erfuhren, daß Lois das Zertifikat für den Umbau zur Euro – Norm besitze,  schwänzelten sie um ihn herum, als wäre er Putin persönlich. Ich amüsierte mich köstlich, weil wir drei anderen so taten, als wären wir absolute Fachingenieure und Geschäftsleute. Es fehlt ihnen an Geld und Aufträgen, soweit waren sie wenigstens ehrlich. Es wurden Karten ausgetauscht und man ging mit dem Wunsch auseinander, in Kontakt zu bleiben. Vor dem Werkstor gab ich dem Wucherer von Dolmetscher seine 35.- Euro, anscheinend für seine Unzuverlässigkeit und wir machten uns auf den Weg Richtung Heimat. Endlich wieder fahren, gut versorgt mit neuen Ersatzteilen, geduscht und wohlgenährt. Endlich wieder lästige Bullen und holprige Straßen. Endlich wieder Abenteuer. Der 15 Tonnen schwere Diesel schnurrt der Gruppe hinterher. Der Sonne entgegen, denn es war schon früher Nachmittag. Unser Ziel war Riwne, ca. 325 Kilometer. Fast alles ukrainische Autobahn. Riesige Mais- und Getreidefelder säumen die Strasse. Alle 50 km eine Tankstelle mit Rasthaus. Davor stehen Gefriertruhen mit Eis und Getränken. Es geht flott voran, denn der Verkehr ist mäßig. Eine kleine Gruppe hatte die Stadt noch nicht losgelassen, denn sie waren immer noch bei den „Silver Bulletts“ und kamen nach. Sie hielten den Kontakt zu uns mit dem Handy aufrecht. Am späten Nachmittag hatten wir noch einen kleinen Zwangsaufenthalt, weil ich mit dem Bus bei einer Kontrolle mit Vollgas vorbeifuhr. Das konnten die Polizisten nicht auf sich sitzen lassen. War ja noch nie da! Also mit Blaulicht Verfolgung aufgenommen und auf der Autobahn zum Umdrehen gezwungen, zurück zur Polizeistation. Eine Stunde Rüge erteilt bekommen, verhandelt , 50 Euro bezahlt und weitergefahren. Einige Kilometer später, der erste Kapitalschaden! Der Sgerm Harry hatte Getriebeschaden. Also auf den Hänger, war ja auch schon lange keine mehr oben. Irgendwann hatten wir dann auch noch Lois mit seiner Gruppe verloren und nur noch telefonischen Kontakt. Kurz vor Riwne parkierten wir dann und schlugen zwischen Schotterbergen auf einem LKW-Parkplatz unser Nachtlager auf. Lois und die Nachhut aus Kiev trudelten nacheinander auch ein. Jetzt war reparieren angesagt. Harrys Maschine wurde von 4 Experten von Edelschraubern bei Scheinwerferlicht ein neues Getriebe verpasst. Nach 90 Minuten später lief sie wieder. Nachdem Abendessen schütteten wir noch einige Bierchen hinunter und begaben uns zu Ruhe.

 

 

30. Juli: Nach dem Frühstück machten wir uns auf in Richtung L`VOV ( Lehmberg) und unser Ziel war die polnische Grenze. Nach der zweiten Frühstückspause kam der Notruf vom Mrozek Martin: Kupplungsschaden. Ich war vorausgefahren und sie mussten die Ural einige Kilometer abschleppen. Da der Fränky mit seiner BMW sowieso immer der schnellste war, schickte ich ihn nach L`VOV, um eine Kupplung aufzutreiben. Die Strasse wurde wieder zweispurig und die Schlaglöcher so viele, daß man ihnen nicht mehr ausweichen konnte. Manchmal wartete ich darauf, daß der Bus sich in seine Einzelteile zerlegen würde. Mittags kehrten wir in einer kleinen ukrainischen Gaststätte ein, in der wir Fleisch mit Maultaschen verspeisten. Malheur Nummer zwei: Hörby hatte einen Platten. Verdammt, gerade diese schwere Kiste! Karre hochheben, Rad ausbauen und neues einbauen. Es hatte 35 Grad im Schatten. Hörby schwitze das Bier der letzten sieben Tage heraus. Das Gasthaus kam ihm gerade recht, um wieder neues aufzutanken. Seine Frau meinte, es käme davon , daß er immer „ volle Pulle“ fahre.

Kurz vor der polnischen Grenze gab es noch einmal Probleme bei Hörby. Er tankte die Dnepr voll und der Zapfhahn schaltete nicht ab. Die ganze Maschine war mit Benzin übergossen. Annemarie bekam einen Tobsuchtsanfall! Der arme Hörby, immer „ volle Pulle“, auch beim Tanken. Die Grenze von der Ukraine nach Polen war eine Kleinigkeit. Nur 2,5 Stunden und die Polnischen Beamten waren sehr freundlich. Unmittelbar nach dem Übergang fanden wir in einer größeren Stadt einen Campingplatz. Hotl düste zum Supermarkt und holte richtig große Fleischstücke, so wie bei uns. Er zauberte uns einen Braten mit Soße und Knödeln. War sehr lecker. Der Mrozek Martin war bis über die Ohren voll Schmiere, weil er versuchte, seine Kupplung zu reparieren. Es tauchten aber Probleme auf und er wurde nicht fertig.

 

 

31. Juli: Die Ural von Martin war irreparabel und nach dem Frühstück verluden wir sie auf den Hänger.

Der Sonnenschein begleitete uns den ganzen Tag über die Ausläufer der Karpaten bis zur hohen Tatra, die unser Ziel war. Sie ist ein Gebirgskleinod in der Slowakei mit 2500 m hohen Bergen. Das war Motorradfahren pur! Wenig Verkehr, schöne Strassen, bergauf und –ab und riesige Wälder, die Schatten spendeten. Der Hörby war in seinem Element. Er jagte das Gespann mit 120 km/h die Berge hinunter und seine Annemarie starb tausend Tode. Hier war alles anders, die Strassen, die Leute, die Häuser und die Autos. Es war gepflegter. In den Dörfern boten sie ihre Waren am Straßenrand feil und man konnte handeln auf Teufel komm raus. Mittags waren wir an der slowakischen Grenze, machten es uns in einem gemütlichen Lokal bequem und verprassten unsere letzten Slotys.

Noch ein kurzer Regenschauer und wir stellten uns wartend auf die dampfende Strasse und begannen mit der Zollabfertigung. Es geht immer mehr Richtung Westen, denn die Wartezeiten an der Grenze wurden immer kürzer.

Wir überquerten die letzten Ausläufer der Karpaten und gelangten in die Tiefebene bei Presov. Am Straßenrand sahen wir ein eigenartiges Bild. An einer Böschung war ein russischer Panzer auf einen Tiger-Panzer mit Hakenkreuz gestellt worden. Sollte anscheinend den Sieg über Hitler symbolisieren. Gegen abends erreichten wir unser Ziel. Von weitem konnte man schon die hohe Tatra ausmachen.

 

Die Gipfel waren zwar in Nebel gehüllt, boten aber trotzdem ein monumentales Schauspiel. Im Halbdunkeln veranstalteten wir eine kleine Irrfahrt, bis wir auf dem Campingplatz waren. Erschöpft stellten wir unsere Fahrzeuge ab und genossen den Abend in der frischen Gebirgsluft. Es gab kräftigen Eintopf man hörte uns bis tief in die Nacht singen und grölen.

 

 

1.August: Heute war wieder einmal ein verdienter Ruhetag. Weit vor dem Frühstück waren im Morgentau die Schrauber am Werk. Der warme Kaffee samt frischen Semmeln kam ihnen gerade recht. Später machten sich ein paar Maschinen auf, die Tatra zu erkundigen, manche lagen faul im Gras und ließen sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Und der harte Kern, dreimal dürft ihr raten: Frühschoppen am Büffet, ausgedehnt bis zum späten Nachmittag. Bei Hotl und mir war Waschtag angesagt. Die Klamotten hatten es dringend nötig, weil uns schon die Fliegen verfolgten. Der Bus hatte es auch dringend nötig. Ansonsten war es ein richtiger Urlaubstag ohne Stress und Hektik. Schön langsam sehnte sich jeder nach der Heimat, einer warmen Badewanne und einem deftigen Schweinebraten, seiner Frau und den Kindern. Mir ging es da nicht anders. Die Ausfälle bei der Runde am Büffet wurden immer größer und der kleine Tisch, an dem sie saßen, war gefüllt mit leeren Bierflaschen. Abends gab es Omeletts mit Speck, Pilzen und Zwiebeln. Danach wälzte sich ein kleiner Trupp ( streng geheim) mit vollgefressenem Ranzen in eine Rotlichtbar mit erotischer Speisekarte. Es gab drei verschiedene Menüs. Speisen waren da aber nicht enthalten! Den Abschluss machten wir mit 2 Flaschen Whisky in einer nahe gelegenen Disco und torkelten dann zum Bus.

 

 

2. August: Bratislava war unser nächstes Ziel. Von Poprad über Zwolen und Nitra führte unsere Route durch die niedere Tatra. Noch einmal ein Leckerbissen für die Bikes. Unberührte Natur verträumte Blockhütten, Kurven und Schattenspendende Wälder. Entlang der Strasse plätscherte ein Gebirgsbach. Ein romantisches, einladendes Land.

Immer wieder begegnete ich kleinen Trupps von uns, die einen Kaffee schlürften, oder die herrliche Landschaft photographierten. In der Tiefebene angekommen, spulten wir die letzten Kilometer auf der Autobahn ab. Kurz vor Bratislava machte Don Harry einen Campingplatz ausfindig. Hier quirlte das Leben. Der Platz war riesig und komplett ausgebucht. In den Platz war ein großer Badesee gebettet und es war hier eine Stimmung, wie am Jahrmarkt. Unzählige Buden mit allerlei Krimskrams untermalten das bunte Treiben. Abends waren die Kneipen berstend voll und die Live – Musik dröhnte durch die Nacht. Don Harry, unser ausgebildeter „Sanitöter“ bekam noch einmal Arbeit. Maria hatte ein Insekt gestochen und sie bekam eine Allergie, die so heftig war, daß sie mit dem„Dreirad – Krankenwagen“ ins Spital gebracht werden musste. Kleines Tier, große Wirkung! Am späten Abend weilte sie aber wieder unter uns.

 

 

3. August: Das gelobte Land ist nur noch 30 Kilometer entfernt. Es ist zwar nur Österreich, aber man Konnte wieder mit Euros bezahlen, die Polizisten ließen einen in Ruhe und Verständigungsschwierigkeiten gab es auch keine mehr.

Aber noch waren wir nicht dort! Zuerst führte uns eine kleine Odyssee durch Bratislava. Jeder fuhr einen anderen Weg und die Gruppe verteilte sich auf drei verschiedene Grenzübergänge. Ja, es kam soweit, daß mir in Österreich unmittelbar nach der Grenze sogar Leute von uns entgegenkamen. Unser Weg führte uns durch das Burgenland mit seinen unzähligen Weinbergen und dem milden Klima. Danach überquerten wir bei Baden die Autobahn und durchforsteten das bergige Terrain des Wiener Waldes. Ich zog dann bis Ybbs die Autobahn vor und die Motorräder nutzten die Pässe im Gebirge.

Am frühen Nachmittag trudelten wir in Ybbsitz, dem Ziel der Reise ein.

 

Mit erhobenem Haupt und mächtig stolz, was wir geleistet hatten, fuhren wir die letzten Meter auf die Alm, wo das Treffen stattfand. Es war beeindruckend, als die Leute auf Wiese standen und applaudierten.

Wir waren die Stars des Abends und hatten viel zu erzählen. Meine Freundin war auch gekommen und es gab ein riesiges Hallo!

Geschafft! Nichts passiert und alle heil nach Hause gebracht! Es war ein Abenteuer, eine Strapaze und eine Lebenserfahrung, die man aus meinem Kopf nicht ausradieren kann!

 

Hut ab, vor unseren beiden Spaniern, die die doppelte Strecke meisterten und vor den Frauen, die diese Reise auf sich nahmen. Es ist nicht einfach, bei solch schlechten Strassen den ganzen Tag im Boot zu sitzen.

Vielen Dank an die ganze Gruppe, für ihre Unkompliziertheit, Kameradschaft und Mitarbeit.

Einen ganz besonderen Dank gilt auch noch dem „ Diesel – Lois“, ohne den die Reise nicht zustande gekommen wäre!

 

Zu guter Letzt möchte ich noch bemerken, daß ich weder Schriftsteller bin, noch grammatisch einwandfrei schreibe, aber es war mir ein großes Bedürfnis dies niederzuschreiben.

 

Der Russen - Udo

 

 

 

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Meine Rückkehrschilderung von der Kiev - Tour ab Passau.

Also:
 
Montag 12.00 bei Louis in Passau (kurz vor dem Hochwasser, was ich aber da noch nicht wusste).Dank seiner unnachahmlichen Kenntnisse läuft Olga besorgniserregend gut. Frohen Mutes geht`s mittags auf die Heimreise.

Zwischenzeitlich Info aus der Heimat:
Sofortige Anwesenheit erforderlich -STOP - Rückfahrt direkt, nicht über Freundinnen - STOP- Hier brennt die Hütte - STOP

Kein Problem für einen Kiev Veteranen, gehalten wird also nur zum tanken - pinkeln während der Fahrt (nach links - wegen dem Beiwagen) Komisch; viele Autos fahren mit Scheibenwischern....

Ab Richtung Spanien.
Zwischenzeitlich bewölkt es sich auf übelste Weise. Aber das ewige Lied eines eilig Reisenden: Einen Zeltplatz weiter schaff ich doch noch. Da ich nunmehr das Tageslicht völlig vermisse; fahr ich eben die Nacht durch, habe ja Licht an Olga.

Frankreich, Moulhouse, genauer 50 Km dahinter bei Belfort um 23.30:
Urplötzlicher Wolkenbruch, Strassen unter Wasser. Ich flüchte unter eine Laden - Markise, ziehe mein Regenzeug über meine klatschnassen Lederklamotten und warte einige Minuten.


Regen läßt nach - ich trete Olga an.
Besser:
Ich versuche Olga anzutreten. 127 Kickversuche später und von innen feucht bis in die Socken ( nach dem 48 Versuch entledigte ich mich der Regenjacke, der Motorradjacke und dem Pullover) erst übelste Drohungen an die Russenschlampe dann diverse Beschwörungen eines keltischen Druiden angewandt ...............und sie springt an (ha - keltische Druiden hatten Olga`s).

Sehr stotternd, wie ein Sack Muscheln, aber läuft. Glücklich aber genervt geht es zum nächsten Formula 1 Hotel, das mit dem Zelt versprach zu diesem Zeitpunkt keine echte Befriedigung mehr.

Nächster Morgen 08.00

Gestärkt durch 8 Tassen Kaffe unter den ungläubigen Augen der Cafeteriaaufsicht pirsche ich mich an Olga an. An der daneben befindlichen Tankstelle wird der Tank neu befüllt, und auf geht's.

Fast,
eigentlich geht nichts, außer das der Tank durch ein unvorschriftsmäßiges Loch an Inhalt verliert. Wo ist das Handy.... da war eine Telefonnummer vom ADAC. Ah ja ,nach Herstellung der Verbindung und Schilderung des Schaden nur ein Schluchzen auf der Gegenseite" Nicht noch eine Ural...!"

Nun ja, nach etwa 1 Stunde kommt ein mächtig gestreßter französischer Plateuwagentreiber und betrachtet das Problemkind. Einhellige Meinung: Da geht nix. Man beachte meine französisch Kenntnisse außer "Wuleh wuh kuschel afek twa" tut sich da nix und der Kutscher konnte als Fremdsprache nur den örtlichen Slang.

Egal Aufgesessen  und mitgenommen. ADAC informiert - man kümmert sich.....

Zwischenzeitlich das Gespann zum Lager des Kutschers gebracht, da er noch etliche Aufträge (keine Urals)  hat, und keinen Mitarbeiter mehr im Lager, nimmt er mich mit auf Sammeltour.Faul wie bin, helfe ich beim einsammeln verstorbener Autos. Trotz sprachlicher Unvollkommenheit passen wir genial zusammen. Innerhalb von 3 Stunden 2 Autos flott gemacht und 4 eingeschleppt. REKORD.
Zum Dank gibt es Mittagessen bei ihm zu Hause. Dann Meldung vom ADAC Abflug von Moulhouse um 17.45 nach Lyon, von dort nach Barcelona, dann weiter nach Malaga Ankunft dort um 23.55.

Gesagt getan. Inzwischen habe ich eine Spedition beauftrag, die Olga abholt und in etwa 2 Wochen hierher bringt.

Ansonsten war es eine gemütliche Heimfahrt ;-)

So, jetzt reichts.
PS: Olga ist inzwischen wieder unter südlicher Sonne und terrorisiert die Umwelt.
Bis bald

Don Harry

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Hallo ihr Daheimgebliebenen, hier ein kleiner Reisebericht von der unvergesslichen Reise in die Ukraine (23. Juli bis 4. Aug. 02)

 

Wieder heimgekehrt sind wir zufriedener und an Erfahrung reicher als vor der Reise.

 

Die Ukraine ist wirklich ein schönes Land, was die Gegend betrifft. Die langgestreckten sanften Hügel mit ihren endlosen Getreidefeldern, den idyllischen Dörfern und die Ausläufer der Karpaten sind eine Augenweide.

 

Als wir die Grenze der Ukraine von Ungarn kommend überquerten (Grenzkontrolle dauerte für uns Motorradfahrer nur 2 ½ Stunden) begann es ein wenig frustrierend. Wir wurden gleich von bettelnden Leuten umringt. Als wir dann ins Landesinnere fuhren bemerkten wir dass sich unsere und die ukrainische Zivilisation sehr kontrastieren. Wirtschaftlich gesehen haben wir eine Zeitreise 70 Jahre zurück gemacht.
 

Die Straßen auf dem Land sind gesäumt von nicht gerade gut ernährten Kindern und alten Leuten, die ihre Kuh, ihre Ziege oder ihre Gänse hüten, oder ein Glas voll Waldbeeren, oder ihre aus frischen Ästen gebundenen Besen verkaufen wollen. Ich hatte sehr oft den Eindruck, in den Gesichtern  der armen Leute erkennen zu können, dass sie sich in ihrem Dasein  gerade nicht  wohl fühlen.
 

Auf den ersten hundert Kilometern deprimierte mich dieses Umfeld ein wenig, doch dann wurden diese Gegebenheiten zur Selbstverständlichkeit, da sich ja immer das selbe Bild bot. Die Transitstraßen, die wir benützten waren katastrophal. Sie könnten beinahe mit einem asphaltierten Rübenacker verglichen werden. Uns päppelte es  von einer Bodenwelle zum nächsten Schlagloch. Verkehrszeichen sind eine Rarität. Vielleicht stehen auf 30 km 2 oder keines. Auch die Dörfer sind kaum beschriftet. Vorwegweiser gibt es auf dem Land selten, oft standen wir vor breiten Weggabelungen und orientierten uns nach der Himmelsrichtung.
 

Die Enten, die nach dem Regen in den Schlaglöchern badeten, sowie die überquerenden Kühe und Gänse, ließen sich von uns Motorradfahrern nicht aus der Ruhe bringen. Das Unglaublichste spielte sich  jedoch auf der Autobahn vor Kiew ab, dort kam uns alles unter, was man auf einer Autobahn nicht erwarten würde. Fußgänger, Radfahrer, Mopedfahrer, am Mittelstreifen weidende Kühe, Straßenverkäufer, die ihre Gläser mit gesammelten  Beeren ziemlich weit in die Fahrbahn stellten. Pferdefuhrwerke habe ich noch nie so viele gesehen und werde sie wahrscheinlich in naher Zukunft auch nicht sehen. Sehr gefährlich  werden diese, wenn sie abends unbeleuchtet mit ihren langen hinten wegstehenden Stangen die Autobahn queren.  Alle paar Kilometer sind Polizeikontrollhäuser zu sehen, deren davor stehenden meist nicht sympathischen Beamten wegen irgendwelcher Nichtigkeiten ständig Geld von uns wollten. Sie hatten keine Skrupel 100 € zu kassieren. Wenn man bedenkt, dass in der Ukraine ein guter Verdiener 100 €, ein Durchschnittsverdiener 75 €  und ein Pensionist 15 €  im Monat bekommen. Wir lernten ganz schnell mit den korrupten Uniformierten  umzugehen und drückten die Strafe, weil Strafzettel gab es ohnedies  keine. Einmal haben wir  diese scheiß Dreckskerle, wie sie derjenige nannte dem sie 50 € abknöpften,  ignoriert und fuhren einfach weiter. Doch diese gingen auf Verfolgungsjagd und beschafften sich wieder Schwarzgeld.
 

Kiew ist eine Megastadt 5 Millionen gemeldete und 3 Millionen nicht gemeldete Einwohner soll es  dort geben. Ganz Arme und ganz Reiche sind dort anzutreffen. 60 % sollen arbeitslos sein. Den Leuten in der Stadt soll es besser gehen, als denen auf dem Lande, weil sie sich mit Gelegenheitsarbeiten leichter über Wasser halten. Eine Angestellte vom Campingplatz führte uns ein wenig in der Stadt umher und erklärte uns alles auf Französisch, was uns Wolfgang, ein gescheiter Kollege übersetzte.

 Die goldenen Dächer der vielen Kathedralen, die in allen Richtungen funkeln  sind sehr beeindruckend. Das im Freien gelegene riesige Militärmuseum war der Anziehungspunkt für unsere Männer. Militärdenkmäler in gigantischen Ausmaßen zieren übrigens  das gesamte Land der Ukraine.

 Die Gassen in der Altstadt sind ziemlich heruntergekommen. Als Fußgänger befindet man sich auf alle Fälle in Gefahr, wenn man  unter der bröckelnden Fassade spaziert. (Dort könnte es lauten, einen von 30 erwischt’s) Teilweise hat man schon schwere Eisengerüste aufgestellt, sodass nicht ganze Hauswände auf die Straße kippen und die Fußgänger erschlagen.
 

Dass es dort sehr reiche Leute gibt, merkt man, wenn man an den Boutiquen der weltberühmte Designer vorbeispaziert. Alle besseren Geschäfte werden von bewaffneten Wachorganen geschützt. Damit nichts gestohlen wird muss man beim Betreten des Geschäftes seine Taschen und Jacken abgeben. In der Fußgängerzone gibt es Zigarettenhändler, die stückweise verkaufen. An einem Stand wurden sogar gebrauchte schön zusammengefaltete Plastikeinkaufssäcke zum Verkauf angeboten.
 

Wir machten dann noch Bekanntschaft mit einer Kiewer Motorradgruppe (Kuttenträger, vielleicht Mafiamitglieder) Auf alle Fälle machten sie den Eindruck, als würde es ihnen an nichts fehlen. Sie fuhren sogar Harleys. Sie kamen des nachts angefahren und luden uns alle in ihr Revier ein. Ein paar coole Typen von uns nahmen die Einladung an und konnten sich erst am nächsten späten Vormittag von den gastfreundlichen Ukrainern trennen. Laut dem Kater der Beteiligten  dürfte es ziemlich feuchtfröhlich zugegangen sein. ( Ich bin sonst solchen exotischen Typen gegenüber sehr zugänglich, doch diesmal hatte ich so meine Bedenken, weil es außerdem schon spät am Abend war und man sich in  so einer Megastadt schwer  zurechtfinden könnte.) Einer unserer coolen Typen brach die Fehde etwas früher ab. ( Vielleicht weil er einen im Beiwagen transportieren musste der schon beim Begrüßungsgetränk Do pobatschennja  sagte) Auf alle Fälle  hatte er auf einmal große Sorgen über die Funktionstüchtigkeit seines sonst darlos funktionierenden Untersatzes, weil ein Rudel wilder Hunde seine Verfolgung durch die Stadt aufnahm. (Resümee: Niemand wurde attakiert, die Alkoholfahne setzte das Rudel zurück). Die Gangmitglieder entpuppten sich meiner Ansicht als ganz nette Kerle, als sie dann am nächsten Tag zur  Vormittagsjause  mit großen saftigen Melonen anrückten.
 

Was ich in der Ukraine beanstanden würde, sind die sanitären Einrichtungen, wenn es überhaupt welche gab, waren sie großteils so ekelig, dass man beinahe ständig die Botanik vorzog.

Das Wort Umweltschutz dürfte den Ukrainern auch noch ein Fremdwort sein. Die Ölentsorgung der LKWs  und anderen Autos  dürften laut Ölpfützen am Straßenrand erfolgen.  Harry musste auch das Getriebeöl wechseln. Der Arbeiter entsorgte das Altöl gleich neben einem alten LKW. Der Rampenboden neben der Werkstatt war eine einzige Öllacke. Als Harry dann als Dankeschön unsere Wodkaflasche auspackte, war wie von einem Magnet angezogen gleich die gesamte Werkstatttruppe da, die sich über einen Schluck aus der Medizinflasche freuten. Übrigens Harry und ich haben auch ein paar Flaschen geleert. Wir haben uns dafür gerne Alkoholiker nennen lassen und deshalb keinen Durchfall wie so manch einer unserer Genossen bekommen.
 

Irgendwie war ich dann schon froh, als wir die Ukraine verließen und nach Polen einreisten. Polen und die Slowakei  sind zwar auch noch sehr rückständig, doch nicht mit der Ukraine zu vergleichen.

 

Zur Reisegruppe selbst: Die Vielfalt macht das Leben aus.

Die Nationen: Spanien, Schweiz, Deutschland und Österreich bildeten das Team

Voranstehend vier Frauen mit Durchhaltevermögen und weiters richtig harte Männer:  Mechanikermeister, Geschäftsmann, Koch, Mittelschullehrer, Olivenplantagenbesitzer- Ölproduzierer - Schafzüchter, Flugzeugmechaniker, Schüler, Paramedics (Lebensretter) und EDV-Spezialist, LKW-Fahrer, Schlosser, Diplomingenieur, Pensionist und Goldwäscher.   Wenn so viele unterschiedliche Charaktere ein Ziel erreichen wollen, dann wird die Sache interessant und abwechslungsreich. Im Alter von 29 – 70 Jahren bringt halt jeder so seine Erfahrungen mit und möchte sich natürlich nur positiv in die Gruppe  einbringen. Bis zum Schluss der Reise hat sich jeder von jedem ein Bild gemacht und viel Verständnis für den anderen aufgebracht.
 

Insgesamt waren es 12 Motorräder: eine 600er Yamaha Enduro, ein 800er BMW Enduro- Gespann, eine 500er Honda Straßenmaschine und der Rest waren Ural- und Dnepr-Gespanne. Dann begleitete uns noch ein Bus mit Schlafkojen und Anhänger. Der Anhänger samt Bus natürlich  war sehr notwendig, da beinahe fast jedes Gespann einmal darauf landete. Die Motorräder konnten erst nach dem Etappenziel am Abend repariert werden. Sogar wir hatten einen totalen  Getriebeschaden und mussten ca 200 km mit dem Bus fahren. Zum Glück hatte Harry im Verkaufsladen der heruntergekommenen Dneprfabrik in Kiew etliche Bestandteile für billiges Geld erstanden. Einem Schwarzhändler  hatte er ein neues Getriebe  um nur 30 €  abgekauft, dass sich  dann später für  sehr nützlich erwies. Nach einer guten Stunde hatte Harry das Getriebe gewechselt und konnte Probe fahren. Die Abende waren in erster Linie von allen Motorradfahrern ausgefüllt mit Reparatur- und Wartungsarbeiten und in zweiter Linie wurde lautstark etliches an Alkohol vernichtet. Nicht selten war schon um 3 oder 4 Uhr Früh Nachtruhe.

Im Allgemeinen war es eine sehr erlebnisreiche, spannende, aufregende und vor Überraschungen nie gefeite  Reise.

 

Gesehen aus der Sichtweise von  Maria und Harry  Sgerm


mariasgerm@hotmail.com

 

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