Lima 6V Instandsetzung/Änderung, Regelbar auf 12V

      Lima 6V Instandsetzung/Änderung, Regelbar auf 12V

      Hallo Zusammen,

      ich habe kürzlich meine Ersatzlichtmaschine auf der Werkbank gehabt. Sie hatte nur noch wenig Leistung.
      Die Fehlerursache ergab wie auch bei anderen Lichtmaschinen von Freunden und auch eigene, dass die Feldspule Windungsschlüsse aufwies.

      Zur Fehlersuche und für Prüfungen stehen mir auf Grund meines beruflichen Hintergrundes Messwerkzeuge und Prüfstände zur Verfügung, mit denen ich z.Bsp. auch Anker/Läufer auf Windungsschlüsse, sowie auch die Leistung und Dauerfestigkeit unter Last prüfen kann.

      Bei sogutwie allen von mir untersuchten 6V-Gleichstromlimas mit elektrischem Defekt, wie z.Bsp. verbrannter Anker oder zu geringe Leistung, konnte auf die Feldspule zurückgeführt werden.
      Die Isolierbeschichtung des Wickeldrahts der russischen Feldspulen scheint sich mit der Zeit gerne aufzulösen, wodurch natürlich Windungsschlüsse entstehen. Diese Windungsschlüsse führen nicht sofort zu einem Ausfall der Lima, jedoch steigt die Stromaufnahme der Feldspule. Hierdruch erwärmt sie sich stärker wodurch die Isolierung der Feldspulen-Wicklung weiter beschädigt wird. Fährt man mit einer soclhen Lima dauerhaft, führt die hohe Stromaufnahme innerhalb der Feldspule zu einer starken belastung des Ankers, bis dieser verbrennt, sofern man es nicht rechtzeitig anhand geringer Lima-Leistung bemerkt. Der Regler regelt den Ladestrom ab, kann aber den ließenden Strom innerhalb der Lichtmaschine nicht begrenzen.

      Nach einigen Versuchen mit verschiedenen Drahtstärken, habe ich nun eine "custom"-Feldspule gewickelt mit der die Ladeschlussspannung schon bei wesentlich geringerer Drehzahl erreicht wird, die innere Strombelastung der Lima abnimmt (größerer Wirkungsgrad) und man sie wahlweise auf 12V regeln kann.

      Bei 6V: 72 W Dauerbelastbarkeit, 86 W Spitzenlast
      Bei 12V: 100 W Dauerbelastbarkeit, 140 W Spitzenlast

      Auf dem Prüfstand läuft die Lima bei einer Last von 10A jedoch ohne Schäden dauerhaft bei 14 V, was 140 W entspricht. Ich würde dennoch nicht über 100 Watt Dauerlast gehen.

      Die Feldspule ist gewickelt mit Kupferlackdraht 0,63 mm auf 4,5 Ohm.

      [img]http://www.metriccustom.de/usrimg/lima/rgf-feldspule-6v-lima.jpg[/img]

      Ich habe Gernot mal angespitzt inwieweit er solche Feldspulen herstellen lassen kann. Damit würde man alte Limas zu neuem Glanz verhelfen können (vorausgesetzt der Anker ist i.O.).
      Ich bin sicher nicht der Einzige der damit schon experimentiert hat. Ich habs jedoch Messtechnisch ausgelotet. Wie sind eure Erfahrungen dazu?

      Gruß, Richard
      http://www.metriccustom.de
      http://fridazsg.metriccustom.de - fridaZSG (Zündschaltgerät/Transistorzündung)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „rgf“ ()

      Gute arbeit!

      rgf schrieb:

      ...Wie sind eure Erfahrungen dazu?


      Der Feldspule ist nicht identisch in eine Russenlima und eine Chinesenlima. Du braucht also zwei wickelformen. Auch finde ich das der chinesische anker von einer bessere qualität ist.

      Ich habe selbst mit 0,6 mm draht gewickelt in meine 12V Lima.

      /Steen
      Hallo Richard,
      saubere Arbeit ! Mir hat auch jemand so eine Lichtmaschine zugespielt . Ich hab eben den Kollektor neu verlötet und ihn überdreht und ausgesägt .Der Kollektor war ausgelötet . Könnte ja evtl. auch an der Erregerspule gelegen haben . Hast du zufälligerweise (oder jemand anders ) den Orginalwiderstandswert im Kopf ?
      Wie viele Windungen hast du bei der neuen Spule drauf ?

      Dirk
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      [/align]
      Hallo Richard,

      ist der Kupferdraht schon beschichtet?
      Wir haben früher bei Windungsschlüssen Schell-Lack (die drei L tun sonst weh) angerührt und neu beschichtet - im gewickelten Zustand.
      Meist erfolgreich.
      Gruß Lienhard

      In nichts zeigt sich der Mangel an mathematischer Bildung mehr, als in einer übertrieben genauen Rechnung.
      (Carl Friedrich Gauß, dt. Mathematiker, Physiker & Astronom, 1777-1855)



      Menschen, Tiere, Sensationen:
      Die Chang aus der Kiste
      Hallo
      interessante Problematik !
      ausgelötete Anker sind meisten auf Überlastung und nicht durch wärmere Feldspulen zurückzuführen.
      Meine Frage ist, welche Windungszahl Drahtdurchmesser und Widerstand hat die original Spule
      und was hat die neue Spule (müsste die doppelte Windungszahl haben)
      Welcher Strom fließ durch die Feldspule bei der Lima Leistung von 7V und 10A bzw. 14V und 10A
      Bei welcher Motordrehzahl werden die 14V und 10A erreicht.
      Die Feldspule wird jetzt aber wärmer oder ?

      Gruß Radi
      ich sammle auch Spannungsabfälle !!!

      Radi schrieb:

      Deshalb Spule in Isolierlack tränken

      aber in einem Behälter in dem Vakuum herrscht damit die Luftblasen rausgehen

      Gruß Radi

      Ist aber nicht zwingend notwendig, wichtig ist hinterher gut ausbacken damit der Lack aushärtet und sich die Drähte nicht mehr bewegen können.
      www.seitenwagen-antrieb.de

      wolfgang schrieb:

      Lackdraht.


      wer lesen kann ist klar im Vorteil... :thumbup:

      Wir haben den so genannten Schell-Lack auch immer frisch angerührt, ich denke, dass war Schildlaus-Scheixxx. Aber ohne Vakuum - Einkochglas oder so.
      Gruß Lienhard

      In nichts zeigt sich der Mangel an mathematischer Bildung mehr, als in einer übertrieben genauen Rechnung.
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      Hallo Zusammen,

      selbstverständlich ist der Draht isoliert, daher heißt er ja auch Kupferlackdraht :)
      und natürlich habe ich die Feldspule imprägniert, mit Klarlack. Die Außenhülle ist Baumwolltuch. Beim Einsetzen wird sie vorher angewärmt.
      Entweder im Ofen oder durch Anlegen eines Stroms (ca. 50-60 °C), außer die Imprägnierung ist noch nicht ausgehärtet.

      Radi schrieb:

      ausgelötete Anker sind meisten auf Überlastung und nicht durch wärmere Feldspulen zurückzuführen.


      leider nein, wie ich bereits schrieb: wenn Regler und Anker in Ordnung sind, kann die Ursache nur die Feldspule sein. Der Strom in der Feldspule kann durch den regler nicht begrenzt werden. Sinkt die Leistung der Lima regelt der Regler nach, die Gesamtstromaufnahme ist dann zu hoch, obwohl die Ladestromstärke begrenzt ist.

      Daskleinewunder schrieb:


      Hast du zufälligerweise (oder jemand anders ) den Orginalwiderstandswert im Kopf ?
      Wie viele Windungen hast du bei der neuen Spule drauf ?

      Radi schrieb:

      Meine Frage ist, welche Windungszahl Drahtdurchmesser und Widerstand hat die original Spule
      und was hat die neue Spule (müsste die doppelte Windungszahl haben)


      die Windungszahl ist ein zu ungenaues Maß für die Russenwicklungen und auch wenn man es von Hand wickelt, daher der Widerstandswert. Ich habe 5 verschiedene Spulen gewickelt und dann geprüft. 4,5 Ohm war optimal für 6V und ist auch 12V fähig. Der Originalwiderstand liegt nach meinen Messungen bei 3,2-3,7 Ohm (ohne Gewähr), alles darunter war defekt.

      Radi schrieb:


      Welcher Strom fließ durch die Feldspule bei der Lima Leistung von 7V und 10A bzw. 14V und 10A
      Bei welcher Motordrehzahl werden die 14V und 10A erreicht.


      bei 4 A Last bereits kurz über 200 1/min , bei Vollast (10 A) ca. 400 1/min (6V) und 900 1/min (12V) (abhängig vom Anker +/- 200 1/min
      Den Strom in der Feldspule wirst du doch wohl berechnen können?

      U = R * I, umstellen nach I:
      I = U / R

      bei Vollauslastung der Feldspule (nur in untersten Drehzahlen):
      7,2 V / 4,5 Ohm = 1,6 A
      14,4 V / 4,5 Ohm = 3,2 A

      Im Betrieb bei ca. 50% Auslastung der Feldspule und Vollast Lima:
      7,2 V / 4,5 Ohm = 0,8 A
      14,4 V / 4,5 Ohm = 1,6 A

      Original: 6V = 2,25 A, 12V = 4,5 A

      Radi schrieb:


      Die Feldspule wird jetzt aber wärmer oder ?


      Durch den geringfügig höheren Widerstand erwärmt sie sich weniger, da weniger Strom fließt.
      Durch die höhere Induktivität gibt es aber keinen Verlust in der Feldstärke.
      Für eine optimale 12V-Version würde ich aber einen geringeren Querschnitt wählen (0,5 und 6,5 Ohm).

      Tips zum selbst anfertigen:

      Bezugsquelle Kupferlackdraht 0,63 mm
      (Es wird ca. 80 % der 500g-Spule benötigt)

      - Fertigt euch ein Master aus Pappe (dicke Pappe um den original Eisenkern legen), gleiche Höhe und zwei stabile Deckscheiben draufkleben, in der Mitte geteilt).
      - Dann Schraube in der Mitte durch, in den Akkuschrauber und langsam gleichmäßig aufwickeln bis ca. 80% der 500g-Spule verbraucht sind (wer mutig ist alternativ vorher abwickeln bis 4,5 Ohm auf der 500g-Spule verbleiben).
      - gewickelte Feldspule abnehmen und mit Isoband an ein paar stellen sichern
      - auf Eisenkern anpassen (Ggf. mehrfach einbauen ins Gehäuse und anziehen, mit dünnem Baumwollappen als Schutz)
      - langen Baumwollstreifen abreißen und Spule umwickeln, mit Klebetropfen sichern.
      - mit Klarlack tränken und in Gehäuse einbauen, oder aushärten lassen und im geheizten Zustand später einbauen.

      Ich warne euch aber vor, es hört sich einfacher an als es ist!

      Gruß, Richard
      http://www.metriccustom.de
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „rgf“ ()

      Hallo,

      Super Beitrag und Bauanleitung, danke Richard!

      Ich habe zum Isolieren und vergießen gute Erfahrungen mit 2K-Epoxiharz gemacht. Z.b. UHU-Plus oder Araldite...
      Zum fixieren dann Glasfasergewebe rumwickeln und gut mit Epoxi tränken.
      Ist dann eine sehr feste und widerstandsfähige Einheit.

      So habe ich schon mehrere Limaanker, Zündspulen und Feldwicklungen repariert, hat bis jetzt alles gehalten.

      Gruß
      Oliver

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