Mal schnell das Getriebe tauschen

      Mal schnell das Getriebe tauschen

      Hallo zusammen,

      hier mal als abschreckendes Beispiel wie sich Reparaturzeiten und Kosten trotz sorgfältiger Planung und Vorbereitung verlängern/erhöhen.

      Ausgangslage: meine M72 wurde vor 5 Jahren und 15.500 km letztmalig durchrepariert. Der Motor selbst hat noch 8.000 km mehr seit der Revision gelaufen.

      Im Dezember war der TÜV fällig und es sollten ein paar Dinge gemacht werden, die mehr als einen Samstagnachmittag in Anspruch nehmen.
      Am 28.10.2017 habe ich den Seitenwagen abgebaut und die M72 in die Garage gestellt.

      Das Zerlegen ging reibungslos, wenn man mal von der Spritpanscherei absieht, weil kein Trennventil zwischen den beiden Tankhälften verbaut war.
      Auf dem Plan stand:
      - Getriebetausch, weil etwas undicht und die geänderten Übersetzungen auf der Straße ausprobiert werden sollen
      - Achsantrieb tauschen wegen der Übersetzung
      - Elektronische Zündung Typ2/3 mit Leuchtdiode einbauen, um das mal auszuprobieren und mitreden zu können
      - Telegabel von Old Motorcycle Parts einbauen
      - HiRaFe und Radlager zerlegen und altes Fett raus
      - Laufräder nachzentrieren und neue Reifen aufziehen und
      - Insgesamt etwas aufhübschen, Winterfahrschäden und Kantenrost beseitigen
      Die Aggregate lagen bereit, die voraussichtlich benötigten waren Teile besorgt - also sollte das ja wohl in 6-7 Wochen machbar sein...

      Das erste Wochenende ging ungeplant drauf, um die Zündung einzubauen. Die nicht mehr benötigte Bohrung im Steuergehäusedeckel
      musste verschlossen werden. Aber so, dass im Falle eines Falles die Verteilerzündung auch unterwegs und im Schneetreiben wieder reaktiviert werden kann.
      Es sollte sichergestellt sein, dass der dazu verwendete Gewindestift a) Öldicht im Deckel sitzt und b) so gesichert ist, dass er nicht in die Steuerräder geraten kann.

      Da Gehäuse der Zündung musste befeilt werden, da es mit dem Stehbolzen für den vorderen Motordeckel ins Gehege kam. Ein 16er Loch ins Gehäuse gebohrt,
      damit die Zündung eingestellt werden kann. Zylinderdeckel runter, OT ermittelt und auf der Schwungscheibe markiert. Max. Frühzündung von Grad KW
      in mm Bogenmaß umgerechnet und auch auf der Schwungscheibe markiert.

      Wie erwartet waren die Bohrungen der Zwischenscheibe etwas verschlissen. Leider waren auch die Bolzen in der Schwungscheibe komplett hinüber
      und mussten neu. Die hatte ich noch irgendwo liegen und eine Druckplatte auch. Nach nur zwei Tagen suchen hätte es weiter gehen können...

      Der Simmering: 50x70x10 lad da. Passt nicht. Warum? Jaaa, klar, seinerzeit ist der Lagersitz mal von Filzring auf Simmerring umgearbeitet worden.
      Da sitzt jetzt ein 50x72x10 drin, der muß erstmal wieder besorgt werden...

      Leider hab ich keine Presse und auch keine Drehbank. Also musste das Schwungrad extern überholt werden. Wieder Zeitverlust und unplanmäßige Kosten.
      Dann kann die Nummer mit den Kupplungsfedern. Eine hatte sich verflüchtigt und lebt jetzt irgendwo in einer dunklen Ecke der Werkstatt.
      Nachdem der neue Satz Federn da war, stellte sich die Frage nach der Montage und wie die Federn für die Kupplung fixieren
      Es wurde dann die Sekundenkleber-Lösung.

      So ging der November zu Ende und langsam ging es los, das mehr angebaut als abgebaut werden konnte. Simmerring und Schwungrad rein, Schwungradschraube fest.
      Wie fest? Dazu gab es längere Begroßschnautzungen: "230Nm." "Um Gottes Willen die BMWs haben auf 170 Nm reduziert." "Rabenbauer sagt, maximal 150 Nm,
      weil sich sonst der hintere Wellenstumpf lang zieht" Hm, es sind dann 190 Nm geworden. Mal sehen, was passiert.

      Kupplung zusammengebaut und Getriebe rein. Jetzt HiRaFe. Der Kantenrost soll mit dem Penetriermittel behandelt werden, Farbe drauf und gut. Gesagt getan.
      Leider war das Penetriermittel am nächsten Tag noch nicht trocken. Haben die den Härter vergessen? Mal eben die Internetseite studiert:

      Vor allem Kunden aus der ehemaligen DDR kennen dieses Penetriermittel noch in seiner gelben Grundform.
      Dieses Produkt basiert auf dem alten, sehr beliebten Penetriermittel, jedoch mit verbesserten, roststoppenden Eigenschaften!!
      Aufgrund der aktuellen, verbesserten Formel trocknet der Primer etwas schneller durch (ca. 3-6 Tage), hat allerdings immer noch genug Zeit um in die Rostporen einzudringen.

      OK, dann wird eben zwischen Weihnachten und Neujahr zum TÜV gefahren...
      Zwischenzeitlich waren die Räder dran. Eine Nabe sah grausig aus, die Pulverbeschichtung löst sich großflächig. Ein Rad - im Rahmen einer Unfallreparatur durch
      eine Spezialwerkstatt durch ein Neuteil ersetzt - läuft nicht. Zwei Räder aus und wieder eingespeicht, zentriert und dann zum Ausdrehen gebracht.

      Mittlerweile waren die fehlenden Kleinteile da, die Blechteile wieder schön und HiRaFe mit frischem Fett eingebaut, schnell noch den Achsantrieb rein.
      Aber vorher die Distanzscheiben für die Kardanwelle ermitteln. Ach ist ja noch gar kein Simmerring im Eingang drin. Nächster Lerneffekt: es gibt Triebling
      Verschraubungen mit 49mm und 49,3 mm /Telegabelmaß. Also noch mal einen Simmerring holen.

      Aber jetzt geht es zügig voran. Hinten ist alles soweit fertig. Lenkkopflager sind getauscht und die Lagersitze repariert. Standrohre drin, Lampenhalter
      und obere Gabelbrücke ausdistanziert. Noch schnell die Tauchrohre anbauen. Wieso geht da jetzt die Steckachse nicht durch? Die Bohrung im Tauchrohr
      ist nur 23,4 mm. Mal alles genau messen. Alte Tauchrohre her und verglichen: Bohrung für Steckachse zu klein und Halter für Kotflügel oben zu tief
      angeschweißt. Die Reklamation wurde vorbildlich geregelt: Teile zurückgeschickt alte Tauchrohre als Muster beigelegt und gute drei Wochen später
      waren die Teile wieder da - Es passt.

      Gestern habe ich dann den Rest zusammen bauen wollen und bin am Zündschloß gescheitert. Das alte war durch den Wintereinsatz schon etwas mitgenommen,
      die Kontakte etwas korrodiert. Naja was solls, neues Zündschloß her. Aua. Was issen das? Mist, die Kappe ist gerissen (Bild 003_ZSchl1). Ok, Zündschloß Nummer 2
      aus der Kiste genommen. Die Zungen für Kontrollleuchte und Sicherung nachgebogen. Mit dem Multimeter gemessen, ob es schaltet und einbauen. Geht nicht -
      das Gehäuse ist verdreht auf der Grundplatte montiert. Gut das ein Zündschloß Nummer drei griffbereit liegt. Ebenfalls die Zungen für Kontrollleuchte und Sicherung
      nachgebogen und gemessen. So geht ein Samstag in der Werkstatt zu Ende, ohne das man wirklich viel weiter gekommen wäre...

      Ellringen ist am 15. April - das könnte klappen.
      Bilder
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      eben ;) :D Zynismus

      AUßERDEM, etwas zu schrauben gibt es immer, auch bei Bastarden. Nur eben nicht mehr so viel wie vorher.

      Ich erinnere mich an meine Pannen der letzen zwei Jahre:

      Zündschloß
      Zündspule und Hallgeber
      Kupplungsnabe

      plus diverser Wartungs- und Verbesserungsarbeiten

      Also ein bisschen schrauben muss ich auch noch :P

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      Ich mache natürlich nur Spaß, also bitte nicht zu ernst nehmen. Will nur ein wenig auflockern mit meinen Beiträgen, nicht stänkern.

      Fakt ist doch, egal ob Bastard oder Original, zu schrauben gibt es immer wieder was. Das liegt in der Natur der Motorräder und weiß denke ich fast jeder der dieses Hobby betreibt.

      Selbst bei den Gespannfahrern deren Möpis mit viel Liebe, Sachverstand und original aufgebaut sind, musste meist das komplette Motorrad zerlegt und komplett neu aufgebaut werden. Das passiert doch gerade bei sovmoto und das ist gut so.

      Also nochmal: Ach komm, schrauben macht doch Spaß und ein festes Ziel der Fertigstellung hast Du ja auch schon.
      Ja nee, wenn am Saisonende nicht alles von der vorderen Steckachse bis zum Achsantrieb breit ist, wurde auch nicht richtig gefahren...
      Um mal ein Zitat zu platzieren.

      Mir ging es nicht um die turnusmäßigen Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten, die alte Konstruktionen mit sich bringen, wenn die mal gefahren werden.
      Mir ging es darum mal zu zeigen, wie mies viele Teile sind und welchen Aufwand man treiben muss - wenn ich am Schrauben keinen Spaß hätte,
      wäre die M72 nicht 30 Jahre bei mir geblieben. Gilt übrigens nicht nur für die Russen-Teile, Zündspulen für alte BMW´s halten gelegentlich auch nur 90km.
      Kosten aber 3-4 mal mehr als Russen-Teile.

      sovmoto schrieb:

      Zündspulen für alte BMW´s halten gelegentlich auch nur 90km.


      Da hast du absolut recht :D

      sovmoto schrieb:

      Kosten aber 3-4 mal mehr als Russen-Teile.



      Da gibt es auch gute preiswerte Alternativen aus der japanesischen Egge

      sovmoto schrieb:

      Mir ging es darum mal zu zeigen, wie mies viele Teile sind und welchen Aufwand man treiben muss


      Jupp auch das weiß ich, gerade deswegen weil ich nicht immer wieder deinen Aufwand betreiben möchte habe ich mich für das kopierte russische Triebwerk entschieden.

      sovmoto schrieb:

      wenn ich am Schrauben keinen Spaß hätte,
      wäre die M72 nicht 30 Jahre bei mir geblieben.


      RESCHBEGT :respekt: :respekt: :respekt:

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      scheinbar hast du aber noch etwas Zeit gefunden obiges Buch zu schreiben....................
      [align=center][color=#ff0000][size=14]"I tried religion, meditation, even therapy... then I realized all I really needed was more horsepower. "[/color][/size][/align][align=center][size=12][color=#0000ff][b]10.Russenboxertreffen Siegerland 15.06.-18.06.2017 Koordinate 51.001765,8.002274
      diesmal 4 Tage wegen Feiertag[/b][/color][/size][/align]